Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Merkel und wie sie die Welt sieht

Woher kommen die Einkommen, Löhne und Gehälter in einer freiheitlichen (kapitalistischen, nach Möglichkeit sozialen) Marktwirtschaft
=> private Unternehmen erwirtschaften sie bzw. deren Mitarbeiter
=> hieraus finanziert sich durch Steuern auch der Staat, sorgt für öffentliche Einrichtungen und Infrastruktur
=> Unternehmer müssen gefördert werden und bedürfen einer privilegierten Behandlung durch die Politik

Merkels Erfahrung: Das sozialistische System musste kapitulieren und war offenbar nur durch Freiheitsentzug und Überwachung für eine begrenzte Zeit überlebensfähig, mehr Freiheit und Rechte bot offensichtlich das bundesrepublikanische Modell

=> die nüchtern naturwissenschaftliche merkelsche Einsicht ist, die Machtverhältnisse zu akzeptieren, als Konsequenz der Niederlage des real existierenden Sozialismus
=> eine Konfrontation mit den Spitzen der führenden deutschen Unternehmen ist aussichtslos und führt eher zu Nachteilen für die Gesamtbevölkerung
=> unterstrichen wird das besonders durch die stetig wachsende Globalisierung, die dem einzelnen Staat zunehmend den Spielraum nimmt, soziale Politik umzusetzen
=> optimale Bedingungen für die deutsche Wirtschaft zu schaffen, ist oberstes politisches Prinzip
=> Der Handlungsspielraum wird durch die Prämissen der Wirtschaft begrenzt, siehe Finanzkrise 2008, Dieselskandal 2017/18
=> philosophisch oder „physikalisch“ zu Ende gedacht, sind auch gesellschaftliche Entwicklungen nur verwaltbar, da sie im Endeffekt die Konsequenz des wirtschaftlichen und politischen Systems sind
=> anders gesagt: in einem vorgegebenen, vermeintlich nicht in frage stellbarem System, ist nach klaren systemintern logischen Prinzipien abzuwägen, was politisch notwendig ist, siehe Atomausstieg, gesellschaftliche Liberalisierung, Flüchtlingskrise

Wer die historische Erfahrung einer geschichtsprägenden politisch-gesellschaftlich
vollständigen Niederlage, wie die der DDR, unmittelbar erlebt hat, neigt kaum dazu, sein politisches Handeln revolutionär auszurichten. Humanismus kann man Merkel nicht absprechen, aber eine politische Vision, die aus der Politik heraus verändern will, hat Merkel nicht. Sie spielt den physikalischen Part der Reactio, die aus ihrer Perspektive zwangsläufig auf die mächtigere Actio folgen muss.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. Oktober 2018 von in Politik und getaggt mit , , , .
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