Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Schöne neue Welt

Manche Menschen träumen in der Tat davon, irgendwann in einer perfekten Welt mit perfekten Menschen zu leben oder zumindest einen großen Beitrag dafür zu leisten, diese Utopie zumindest theoretisch aufrecht zu erhalten. Diese Menschen sind mitunter sogar noch selbstreflektiert genug, dass sie sich selbst niemals als fehlerlos oder frei von Vorurteilen bezeichnen würden, obwohl ihre Freunde, die peer group, das selbstverständlich sind. Um wirkliche Gutmenschen zu sein, haben sie entweder nicht die richtige Hautfarbe oder das richtige Geschlecht oder leben in der falschen Hemisphäre (arme weiße Männer Mitteleuropas und Nordamerikas). Deswegen gibt es auch einen Strafenkatalog, genannt political correctness, der einem vorhält, wie man sich verhalten sollte, wenn man ein Mensch ist, der von vornherein schon mit Privilegien und Schuld belastet ist. Denn unterdrückte Menschen werden nicht nur unterdrückt; sie wären selbstverständlich auch die besseren Menschen, wenn man sie aus der Unterdrückung befreien würde.

Zu viel Polemik? Ja, stimmt.

Dennoch: Diese „schöne“ neue Welt, in der wir uns alle nur noch wie gezähmte Roboter gegenübertreten, keine kleinen Scherze mehr über die Andersartigkeit des anderen erlauben, in der keine tumben Anzüglichkeiten mehr vorkommen und der Mächtige dem weniger Mächtigen oder Ohnmächtigen keine Ansagen macht, diese „schöne“ neue Welt wird es nie geben.

Menschen sind nicht auf politisch korrekt programmierbar. Menschen sind immer in gewissem Maße auf ihren eigenen Vorteil aus, ob weiß, ob schwarz, ob Mann, ob Frau, ob nördliche, ob südliche Halbkugel.

Dennoch sind wir alle Menschen. Menschen mit den gleichen Rechten!

Aber Rassismus fängt nicht beim Anmalen des Gesichts an und Sexismus nicht bei schlechten Witzen über Blondinen. Zumindest kriegt man diese Übel so nicht an der Wurzel zu fassen.

Was diese Menschen antreibt, die sich diese „schöne“ Welt wünschen, ist die pure Angst und das mag als Entschuldigung gelten.

Es ist die Angst, nicht immer so schlagfertig oder wortgewandt reagieren zu können, wenn einem jemand dumm kommt. Es ist die Angst vor der Eskalation. Und diese Angst ist berechtigt.

Doch sie macht uns menschlich und verbindet uns. Wir werden im Leben immer wieder mit dummen Anmachen und verbalen Angriffen konfrontiert. Dabei sind wir nicht immer in der Lage, Paroli zu bieten und als Gewinner aus der Situation hervorzugehen. Doch Niederlagen, auch ungerechte, gehören zum Leben dazu. Wir lernen daraus und sind beim nächsten Mal stärker!

Regeln, die uns vor jeglicher Demütigung schützen, sind ein Diktat, das uns einen Teil unserer Menschlichkeit abspricht: Verletzlichkeit. Die Illusion der Unverletzlichkeit soll aufrecht erhalten werden. Es wäre so schön (?)…

Aber ich möchte das doch noch mal anhand von Beispielen konkretisieren, denn sonst verwischen wieder die Unterschiede und Grenzen:

Es ist und bleibt einfach albern, Menschen grundsätzlich Rassismus zu unterstellen, wenn sie sich die Gesichter in einer anderen Hautfarbe anmalen. Das geht völlig am Thema vorbei und ändert nicht die Bohne am realen Rassismus, den wir alle bekämpfen sollten! (Kategorie 1)

Eine Journalistin anzublöken, sie könnte ein Dirndl ausfüllen, ist in der Tat grenzwertig. Doch erlaubt es, einen Menschen grundsätzlich als gefährlichen Sexisten zu brandmarken oder als schlechten Menschen an sich? Wäre nicht eine Antwort wie „Leider kann ich von Ihnen das gleiche in Lederhose nicht behaupten“ wünschenswerter und angemessener, als zum Beispiel rechtliche Schritte, wie von manchen gefordert? (Kategorie 2) Natürlich kommt es vor, dass man unerwarteten Frechheiten mitunter hilf- und sprachlos gegenübersteht. Man wünscht sich dann härtere Konsequenzen, weil die eigentlich angemessenen moderateren im konkreten Moment fehlten.

Hart unterscheiden möchte ich die 3. Kategorie, über die keine zwei Meinungen zulässig sind und keine mildernden Umstände gelten. Ob verbale oder körperliche Gewalt, Benachteiligung aufgrund Andersartigkeit, offensichtliche Diskriminierung, sind absolut intolerabel!

Warum ich das Ganze hier wiederholt so ausbreite?

Weil so viel Energie für Kategorie 1 verschwendet wird…

Menschen diskriminieren. Menschen sind manchmal plump. Menschen sind ignorant, unwissend. Menschen sind und bleiben Menschen. Die ganze Bandbreite. Alle!

Dennoch ist es wünschenswert, aufeinander zuzugehen. Oder ist das auch schon Utopie.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. Dezember 2013 von in Gesellschaft, Politik.
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