Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Der schmale Grat zwischen Toleranz und Verantwortungsbewusstsein….ist gar nicht so schmal

Es gibt ein sozusagen anonymes Zitat, weil von vielen oft geäußert, das ich voranstellen will:

„Was lose mit mir Befreundete oder Bekannte mit ihrem Leben anstellen, ist mir herzlich egal, aber engen Freunden oder Familienmitgliedern muss ich aus ‚Verantwortungsbewusstsein‘ ab und an den Kopf waschen!“

Das klingt auf den ersten Blick fürsorglich oder tatsächlich verantwortungsvoll. Ich kenne aber kaum einen Fall, wo der Schuss nicht komplett oder weitgehend nach hinten losging.

Was ist oder heißt überhaupt Verantwortung? Verantwortung ist eins der wesentlichen Themen der Philosophie und es wäre vermessen, hier in Kürze einen ausreichenden Abriss darüber zu leisten. Aber manche Einsichten sind banaler als man denkt…

In erster Linie hat man Verantwortung für sich selbst, was wiederum genau so dann für jeden anderen gilt. Natürlich tragen wir Verantwortung für diejenigen Menschen, die wir selbst verantwortet haben, will heißen unsere Kinder, solange diese eben diese Verantwortung nicht selbst tragen können. Ein dynamischer Prozess. Jedes Jahr ein bisschen mehr Selbstverantwortung.

Doch Verantwortung endet mit dem erwachsen werden bzw. irgendwann auch erwachsen sein. Autonom. Unabhängig.

Autonomie bedeutet, anderen (und im Umkehrschluss auch sich) grenzen zu setzen. Grenzen, die man nur übertreten darf, wenn es der andere bzw. man selbst gewährt.

Keine Intervention wird von Erfolg gekrönt sein, wenn sie der andere nicht wünscht.

Hilfsbereitschaft ist eine Tugend, die nur dann zu den guten zu zählen ist, wenn das Gegenüber sie annehmen möchte (bzw. auch zurückweisen darf) und man selbst für Hilfeleistung nicht unangemessene Opfer bringen muss. Eigentlich sollten beide davon profitieren.

Und Toleranz ist die Tugend, die es einem erlaubt, andere Lebensentwürfe zu ERTRAGEN, was nicht zwangsläufig akzeptieren heißt.

Und wer das erkennt, wird feststellen, wie angenehm es ist, sich auf dem breiteren Weg des gegenseitigen Respekts zu begegnen, als auf dem schmalen Grat des unangemessenen Verantwortungsbewusstseins.

Das gilt übrigens nicht nur für Verwandte, Freunde oder Bekannte, sondern für ALLE Menschen!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 3. Dezember 2013 von in Essays, Gesellschaft und getaggt mit , , , , , , , .
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