Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Beschneidungsdebatte – um oder auf das Wesentliche gekürzt

Die Beschneidungsdebatte scheint kein Ende zu nehmen, dabei lässt sich das Thema in der Tat auf das Wesentliche verkürzen:
Blenden wir zunächst einmal aus, dass es um Minderjährige geht. Da sind zwei große Religionsgemeinschaften mit einem jahrtausendealten Ritual, das bis zum überraschenden Urteil eines deutschen Landgerichts (Köln) in der breiten Bevölkerung kaum Anlass für Diskussionen war. Warum auch? Schließlich ist und bleibt freie Religionsausübung ein Grundrecht in unserer Gesellschaft. Durchaus diskutabel, aber ohne ideologischen Hintergrund, ist die Frage der Körperverletzung, allein aus juristischen Gründen, da hier die Haftungsfrage bei Kunstfehlern geklärt sein muss. Auch kann man diskutieren, ähnlich wie bei Schönheitsoperationen, ob Eingriffe an Gesunden ohne medizinische Indikation wünschenswert sind. Aber das ist eben jedem Erwachsenen selbst überlassen.
Der Knackpunkt ist der Eingriff an Minderjährigen. Hier drängeln sich dann auch gerne Antisemiten und Ausländerfeinde in die Diskussion, was die Debatte natürlich erhitzt und manche Meinung, auch wenn gut begründet, unter den Verdacht der Xenophobie gerät.
Wenn man nicht dramatisiert, ist die Beschneidung ein kleiner chirurgischer Eingriff mit geringem Risiko. Das Risiko ist nicht null. Das heißt, auch Todesfolge ist in Einzelfällen nicht auszuschließen. Es gestaltet sich schwierig, angemessene medizinische Vergleiche zu finden, aber zur Relativierung sind sie zu nennen: Kinder werden bei uns zum Teil auch bei nicht krankhaftem Kleinwuchs mit Hormonen behandelt. Es wird, neben den wichtigen Grundimpfungen auch großzügig gegen seltenere Erkrankungen geimpft, ebenfalls mit Risiko. Die Modekrankheit ADHS wird bei Kindern ebenfalls generös mit Medikamenten gepflegt. Nebenwirkungen inklusive. Wer hier genau liest, wird allerdings feststellen, dass ausschließlich nichtmedizinische Gründe, zumindest nach brainstorming des Autors, sich in einer säkularisierten Gesellschaft bei Minderjährigen nicht finden. Spätestens jetzt werden in der Debatte dann die Keulen ausgepackt, und zwar auf allen Seiten. Es kommt zu erstaunlichen Bündnissen. Konservative Christen springen bei und fordern im gleichen Atemzug Sanktionierung von Blasphemie. Der Scheiterhaufen wird wieder aktuell. Das möchte ich vermeiden. Das Recht auf freie Religionsausübung muss in diesem Punkt unangetastet bleiben. Was Konsequenzen bei Komplikationen oder späteren Klagen Betroffener nicht ausschließt. Es muss allerdings die Frage erlaubt sein, ob ein Ritual an Minderjährigen nicht auf einen späteren Zeitpunkt, und sei es die Volljährigkeit, verschoben werden sollte. Auch Religionen haben schließlich Entwicklungspotenzial. Ich weiß, ich rüttele hier an komplexen religiösen Fundamenten. Aber diese Debatte könnte doch sowohl die jüdische als auch die arabische Gemeinde selbst führen? Das macht doch Religionen erst lebendig?
Noch ein Nebenaspekt sei erwähnt. In puncto sexuellem Empfinden haben mich die Äußerungen Betroffener überrascht, die erst im Erwachsenenalter beschnitten wurden. Hier ist von Nachteilen die Rede. Es stellt sich allerdings die Frage, ob das repräsentativ ist.
Um Interaktion zu jedem einzelnen Schnittpunkt wird gebeten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24. August 2012 von in Gesellschaft, Politik und getaggt mit , , , , .
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