Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Für mehr Fraternité!

Der Spiegel hat im Rahmen seiner Serie „Die Krise Europas“ in seiner aktuellen Ausgabe (33/12) Frankreichs Mentalität und Realität zum Teil sehr aufschlussreich präsentiert. Neben einigen Seitenhieben, die der deutsch-französischen Konkurrenz um die Leitlinienkompetenz in Europa geschuldet sind, unterschlägt der Spiegel aber größtenteils die enge kulturelle und gesellschaftliche Verbundenheit, die Deutsche und Franzosen vereint. Die Freiheit und die Rechte des Einzelnen sind Kulturgüter, die tief in französischer und deutscher Philosophie sowie politischer Theorie, zum Teil sogar Praxis, verwurzelt sind. Das Modell einer Solidargemeinschaft, sei es in Form der sozialen Marktwirtschaft oder als Ausdruck der Idee der Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit ist in deutsch-französischen Gesellschaftsentwürfen fest verankert. Pluralismus, Freiheitsrechte, Unabhängigkeit der Jurisprudenz, Meinungsfreiheit, soziales Gewissen. Spiegeln sie nicht die französische und deutsche Seele wider? Diese Seelenverwandtschaft ist kein Konstrukt. Kulturhistorisch stehen Deutschland und Frankreich eng umschlungen. Mag uns einiges unterscheiden, Savoir vivre und Arbeit als Lebensmittelpunkt, so schauen wir mit geschwisterlicher Faszination, durchaus mitunter auch Neid auf unser Pendant auf der anderen Seite.
Wir können und wollen auch nicht ohneeinander. Zu sehr gründen unsere Ideen von gesellschaftlichem Zusammenleben auf ein und denselben kulturellen, philosophischen und politischen Ursprüngen.
In diesem Sinne: Reichen wir uns die Hände!

siehe auch: „Bienvenue Monsieur Hollande – es lebe Europa“ im Ressort Politik & Gesellschaft

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Ein Kommentar zu “Für mehr Fraternité!

  1. cosima1973
    15. August 2012

    Schon Kant plädierte für ein Miteinander. Zwar sollen die Staaten eigenständig bleiben, doch zwischen ihnen soll eine Rechtssicherheit bestehen, so dass sie nicht nur nebeneinander stehen, sondern sich gegenseitig respektieren und kooperieren. Nicht im Sinne eines Völkerstaates, den wies er als nicht durchsetzbar zurück, sondern im Sinne eines föderalistischen Völkerbundes. Ich finde die Sicht nicht ganz antiquiert.

    Schaut man die Kultur in Deutschland und in Frankreich an, sieht man in der Tat viele Parallelen. Die philosophischen Strömungen, die literarischen Werke, sie alle weisen Parallelen auf. Auch das Streben der Herrscher nach Grösse, Prunk nimmt sich nichts. Der gegenseitige Argwohn ist wohl einerseits in der Geschichte begründet, andererseits ist einem der Nächste, der Ähnlichste immer suspekt, denn er hat dieselben Waffen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. August 2012 von in Politik und getaggt mit , , , , , , .
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