Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Wenn Bildungsniveau und Wissenszugang nur noch zur Abgrenzung dienen – Generation Hipster?

Kürzlich erzählte mir eine Freundin, dass ihr Mann demnächst ins mittlere Management aufsteigen würde. Sozusagen als dezenten Appetitanreger wurde er auf einen Wochenendkurs „kleiner Knigge der Tischmanieren“ eingeladen. Wie man ein Weinglas hält, welches Besteck zuerst und wo die Serviette zu drapieren ist. Ähnliches findet in Form von Golfkursen, Weinverkostungen und Dresscode-Präsentationen alltäglich statt. Manchem mögen sich hier schon die Nackenhaare hochstellen, doch ist dies längst nur die Spitze des Eisberges. Die Generation der werberelevanten Zielgruppe will längst nicht mehr andere Menschen mitnehmen, sondern das Wenige, was es zu verteilen gibt, für sich allein. So neu ist der Zusammenhang von Bildung, Privilegien und Ausgrenzung selbstverständlich nicht. Das er sich aber auch bei den über Dreißigjährigen manifestiert, zeugt nicht gerade von großer Progressivität oder offener Gesellschaft. Das Verhalten ist eher reaktionär. Mit dem Selbstverständnis eigener Unfehlbarkeit werden die eigenen Lebenskonzepte, seien es Karrierestrategien, Ansichten zur Kindeserziehung, das richtige Fortbewegungsmittel, Dogmen zu gesunder Ernährung, sportlicher Ertüchtigung und der einzig möglichen Kaffeezubereitung eher beiläufig in den leeren Raum palavert. Kann man schließlich im WorldWideWeb nachlesen oder in ausgesuchten Buchhandlungen beziehen. Im Unterton scheinbare Toleranz vorgaukelnd, eher aber vorwurfsvolle Arroganz. Statements of understatement. Wirkliche Kommunikation findet nicht statt, Diskussion schon gar nicht. Uncool emotional. Streitkultur ist ein Gut unserer Elterngeneration. Konnten die noch weltverbesserisch über politische Theorien, ja auch Utopien einen Streit vom Zaun brechen, wünscht man sich gegenwärtig noch einen schönen Abend und denkt dabei „die laden wir aber nicht mehr zum Brunch ein.“ Falsche Klamotten, falsches Auto, schlecht erzogene Kinder und falsche Berufsauffassung statt politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Schon konstruktive Kritik ist einfach zu „unrelaxed“. So leben wir also nebeneinander her bzw. in Hipster-Abstufung swag, weniger lässig, bis uncool. Kind of boring?

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Juli 2012 von in Gesellschaft, Politik und getaggt mit , , , , , .
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