Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Gaucks Wunschdenken über die Bundeswehr

Beziehen wir uns auf den Wortlaut der Rede, die im SPON nachzulesen ist:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gaucks-rede-bei-der-bundeswehr-a-838435.html
Offensichtlich möchte Gauck die Bundeswehr mit ins Boot nehmen, mit ins Boot der Demokratie und des Freiheitsgedanken, vielleicht auch ein kleiner Appell. Gute Absicht. Doch er macht sie im klassischen Gutmenschentum zu etwas, was eine bewaffnete Armee, die im Töten ausgebildet wird, nicht leisten kann, es grenzt an Verklärung. So naiv sind die Bundeswehrsoldaten und Soldatinnen bei weitem nicht, dass sie annehmen würden, allein Recht und Freiheit in ihren Auslandseinsätzen zu verteidigen. So kann man die deutschen Soldaten nicht „zurück in die Mitte der Gesellschaft“ holen, wie Gauck es mit guter Absicht ausdrückt. Deutsche Interessen, deutsche Bündnisverpflichtungen werden zu einem nicht unbedeutenden Anteil am Hindukusch und anderswo verfolgt. Das kann man gut oder schlecht finden. Ist aber kaum bestreitbar. So klar wie zuletzt im Zweiten Weltkrieg sind die Rollen (leider?) längst nicht mehr verteilt. Natürlich sehnen sich die deutschen Soldaten nach Wahrnehmung durch die Gesellschaft, aber Gaucks Formulierungen grenzen an Heldenverehrung, wie man sie paradoxerweise aus der DDR und dem dritten Reich kennt. Purer Idealismus hat in allen Zeiten die wenigsten Soldaten zur Waffe getrieben. Was Gauck vermissen lässt, ist das Kind beim Namen zu nennen: Die Bundeswehr ist das letzte aller Mittel, in sehr genau abzuwägenden Fällen aber einziges noch übrig bleibendes Mittel zum Zweck. Denken wir exemplarisch an Srebrenica, allgemeiner an potenzielle Verbrechen an der Menschlichkeit und ja, im Einzelfall auch an die Vertretung deutscher Interessen. Kommt sie zum Einsatz, braucht man sich keine Illusionen über „chirurgische Eingriffe“ oder zivile Opfer zu machen. Krieg ist Krieg! Das wissen unsere Soldaten und dafür müssen wir sie wertschätzen, dass sie diese Verantwortung für unsere Zivilgesellschaft übernehmen.

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Ein Kommentar zu “Gaucks Wunschdenken über die Bundeswehr

  1. Churchill
    16. Juni 2012

    Der Ton von Gaucks Rede mutet tatsächlich etwas gestrig an. Trotzdem spricht er etwas Wahres an: Wir wollen mit Krieg und Terror in unserer „glueckssuechtigen Gesellschaft“ nicht behelligt werden. Diese Wensung findet sich nicht im Manusskript, sondern nur in der gesprochenen Rede. Er hat Recht: Oft sind wir gar nicht überzeugte Pazifisten, sondern wollen nur unser privates Glueck in Ruhe geniessen. Schon Rainer Langhans bekannte, dass ihn der Vietnamkrieg weniger interessiere als seine Orgasmusprobleme. Zwar ist unstrittig, dass aus einer Überzeugung wie „Make Love, nor War“ weniger Kriege entstehen als aus anderen. Allerdings ist gerade diese Lebensweise zum Beispiel vielen Islamisten ein Beispiel für die moralische Unterlegenheit des Westens. Weshalb wir eben doch bereit sein sollten, unsere Freiheit auch militaerisch zu verteidigen. Das moralische Problem von Bundeswehr und NATO scheint mir eher daran zu liegen, dass wir das in einer globalisierten Welt auch out-of-area tun. Hier eine Grenzw zu ziehen, ohne sich dm Vorwurf auszusetzen, in Wirklichkeit nur eigene machtpolitische oder wirzschaftliche Interessen zu verfolgen, scheint mir die eigentliche Herausforderung fuer die Bundeswehr zu sein.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 12. Juni 2012 von in Politik und getaggt mit , , .
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