Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

„Die Kunst zu lieben“ – Das Leben ist leicht

Weltmarktführer zu sein ist ja heutzutage in allen Branchen mehr denn je ein Ehrentitel. Und im Erzählen über die Liebe sind es zweifelsohne die Franzosen. So ist der Titel des neuen Films des Schauspielers und Regisseurs Emmanuel Mouret nicht einmal anmaßend, uns die Kunst zu lieben zu erklären. In der Tradition Eric Rohmers und im interkulturellen Vergleich auch Woody Allens schildert uns Mouret mehrere kleine amüsante und beschwingende Anekdoten über die Verzwacktheiten und scheinbar entbehrlichen Konventionen der insbesondere körperlichen Liebe.
Startet der Film noch etwas holprig mit ganz offensichtlichen Männerphantasien, die nicht nur im intellektuellen französischen Kino wiederkehrend zu finden sind, geht am Ende die Quintessenz, das was uns der Film locker und leicht mitgeben will, sehr gut auf: „Schlage nie ein Angebot aus!“
So kann man als männlicher Zuschauer allenfalls etwas beschämt lachen, als im ersten Auftritt Pascale Arbillot ihrer hübschen Freundin ihren Freund zur freien Verfügung stellt und sich im zweiten Auftrtitt Frédérique Bel dem geschätzt 20 Jahre älteren Francois Cluzet unvermittelt an den Hals wirft. Wenn das mal nicht männliches Wunschdenken ist. Das tut dem Hauptthema des Films aber keinen Abbruch, sich spiegelnd in so leichten, zwar banalen, aber dennoch wahren Aussagen wie „das Leben ist kurz“, „man lebt nur einmal“ oder „warum nicht?“, worauf man mit einem anderen ebenso amüsanten Film entgegnen könnte „wenn Liebe so einfach wäre“. Unterstrichen wird die Botschaft des Films durch die Erfahrung Amélies, dass der Verlust ihres besten Freundes an ihr alter ego eine tiefe Leere in ihr zurücklässt. Schön abgerundet wird das Lehrstück durch zwei kleine Nebenplots, die uns veranschaulichen, dass man in der Liebe nicht alle Pfade ausgetrampelt haben muß. Das ist eben die Kunst des französischen Kinos. Nicht die deutschen „Leiden des jungen Werther“, sondern die scheinbare Leichtigkeit Vanessas.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 3. Juni 2012 von in Kultur und getaggt mit , , , .
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