Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Die Piraten – Geschichte wiederholt sich

Wenn man zur Generation jenseits der vierzig gehört, ist es nahezu verführerisch, aus der Perspektive des Establishments zu argumentieren und die Piraten als Strohfeuer des Politzirkus zu degradieren. Nicht einmal die Termini müssen ausgewechselt werden, zieht man die Parallele zum Aufstieg der Grünen. „Langhaarige Nerds“ mit nur einem Programmpunkt, der Freiheit des Internets (analog bei den damaligen Grünen die Ökologie). Doch die Bandbreite und das Potenzial einer Partei, deren Zulauf enorm ist und die sich selbst übrigens weitaus weniger ideologische Grenzen setzt als die frühen Grünen, ist äußerst verheißungsvoll. Und dabei geht es nicht um die Abgrenzung zu rechtsextremen Strömungen, eine Kinderkrankheit, die die Piraten bald überwunden haben werden. Auch die Grünen hatten hiermit zu kämpfen und zwar nicht nur am linken politischen Flügel, denke man an die Schnittmenge mit der zum Teil mehr als rechtskonservativ ausgerichteten ÖDP. Der „melting pot“ der Piraten ist im vollen Gange und man darf gespannt sein, welche Profile die Partei aufrecht erhalten kann. Pluralismus oder doch nur Kernthema Internet und Urheberrecht? Es mag die „Kernies“, die sogenannten Fundamentalisten der Piraten, als auch die Öffentlichkeit überraschen, dass diese Partei, verfolgt man den Parteitag, viel weiter und dabei breiter aufgestellt ist, als unterstellt wird. Direkte Demokratie, Definition von Eigentum, Geschlechterrollen, Lobbyismus, manches bereits propagierte Programmpunkte, manches vom eventuell überproportionalen Zustrom in das Profil der Partei projizierte Wunschdenken. Ein Kartenhaus, das durchaus in sich zusammenfallen kann. Andererseits, braucht eine moderne Partei unbedingt ein enges ideologisches Korsett? Das größte Potenzial liegt sicher in der Idee der „liquid democracy“. Nicht wirklich neu, denn so waren es schließlich auch hier die Grünen, die mit dem Konzept der Basisdemokratie ursprünglich angetreten waren (im Establishment versandet). Doch kaum etwas ist aktueller als der Drang nach direkterer und unmittelbarer Mitbestimmung, selbstverständlich und gerade im Informationszeitalter, in dem nahezu jedem in unserer Gesellschaft -noch- der Zugang zu vielfältigen Meinungen möglich ist. Die Piraten sind Kind dieses Verlangens. Mögen sie nicht so erwachsen werden wie die Grünen!?

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 29. April 2012 von in Politik und getaggt mit , , , , .
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