Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Euro-Bonds, Bankenkrise, Rettungsschirm – Wie naiv ist Europa?

Europäische Politik und europäische Wirtschaft taumeln in einer Spirale nach unten von einer Krise in die nächste. Ist ein Horror-Szenario abgehakt, folgt unverzüglich die Steigerung. Die Krise scheint immer einen Schritt voraus. Man braucht kein Anhänger von Verschwörungstheorien zu sein, um sich im Klaren darüber zu sein, dass viele unterschiedliche Interessen, nicht immer mit guten Absichten, in diesem Spiel mitmischen. China hat Lunte gerochen, anglo-amerikanische Rating-Agenturen mischen den Finanzmarkt auf und auch die Banken wollen ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Europäische Politiker berufen sich auf die enorme Bedeutung des europäischen Wirtschaftsraums für die Weltwirtschaft, doch wer außerhalb Europas hat Interesse an einer führenden Rolle der Eurozone? Den Tanzbär am Nasenring durch die Manege zu ziehen ist mitunter eine verlockende Phantasie. Großbritanniens Zahlungsfähigkeit ist nicht auf der Tagesordnung, Russland und Brasilien erscheinen als transparente Wirtschaftsnationen, in denen kein Geld versickern kann. Spanien, Italien und bald auch Frankreich ohne Zukunft? Nur Schuldenberg ohne wirtschaftliches Potenzial? Nüchtern betrachtet absurd. Es geht hier nicht nur um wirtschaftlich fundierte Fakten, es geht vor allem um eine Strategie. Manipulation der Märkte und Wirtschaftsspionage sind heutzutage alltägliche Mittel der Auseinandersetzung nicht nur in der Privatwirtschaft, sondern zum Teil auch staatlich verordnet. Im Zeitalter der Globalisierung kann scheinbar jeder mit jedem, solange für die einzelne Gruppe ein Gewinn in Aussicht steht. Das kann nur schief gehen. Bündnisse sind unabdingbar, die nicht nur bis zum nächsten Quartal geschlossen werden. Ohne festen Zusammenhalt innerhalb Europas und darüber hinaus wird sich Europa hinten anstellen müssen. Nennen wir das Kind beim Namen: Was ist so absurd an einem nordatlantischen Wirtschaftsbündnis? Niemand wünscht sich den kalten Krieg zurück, aber wie kann sonst ein Gleichgewicht der Kräfte entstehen und es geht schließlich nicht um Atombomben. Wer, wenn nicht Barack Obama, eignet sich besser als Bündnispartner für eine konzertiertere westliche Wirtschaftspolitik. Renaissance des Imperialismus? Westliche Arroganz? Illusorischer Glaube an einen Interessenausgleich, insbesondere in der Privatwirtschaft? Oder ein realpolitischer Ansatz? Vielleicht unausgegoren, aber nicht naiv.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 29. November 2011 von in Politik und getaggt mit , , , , , , .
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