Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Alice Schwarzer – Gleichberechtigung oder alles egal?

Eigentlich ist es ein alter Hut. Niemand, auch Alice Schwarzer nicht, propagiert oder wünscht die vollständige Egalisierung des Unterschieds zwischen Mann und Frau. Vorab kann Alice Schwarzers Verdienst für die Gleichberechtigung nicht hoch genug geschätzt werden. Dennoch ist einiges in ihrer Argumentation nicht schlüssig bzw. mißachtet wissenschaftliche Erkenntnisse. Schwarzer unterschlägt in nicht unwesentlichen Punkten faktische Unterschiede zwischen Mann und Frau und ihre Konsequenzen. Für Schwarzer ist Sexualität und sexuelle Ausrichtung ein rein gesellschaftliches Phänomen. Wären wir frei, wäre auch die Entscheidung heterosexuell oder homosexuell nach ihrer Ansicht absolut frei wählbar. So auch die Erkenntnisse Schwarzers aus ihrer eigenen Biografie. Genetische und hormonelle Einflüsse? Null? Auch das Machtgefälle zwischen Mann und Frau bleibt ein Dauerthema, vielmehr die Machtverteilung. Unbestritten ist weiterhin ein Machtgefälle zugunsten der Männer vorhanden. Doch Schwarzer suggeriert, dass Macht in einer emanzipierten Welt überhaupt kein Thema mehr wäre. Aber können wir Machtansprüche im Umgang von Menschen miteinander, sei es zwischen Mann und Frau, Mann und Mann, Frau und Frau so einfach aus der Interaktion eliminieren. Wohl eher eine Illusion. Eigene Interessen werden auch ungeachtet des Geschlechts immer eine Rolle spielen. Können Väter Mütter sein, können alle Männer so empathisch sein wie viele Frauen? Können alle Frauen so gut räumlich denken wie viele Männer? Sind Männer sprachlich so begabt wie Frauen? Könnten wir die Rollenverteilung versuchsweise komplett umkehren ohne überwiegend negative Konsequenzen. Wären die Frauen dann glücklicher? Ist das, was wir uns sexuell wünschen, ungeachtet von Macht, wirklich identisch zwischen Mann und Frau? Dies soll bei weitem keine Tirade gegen Alice Schwarzer werden. Aber die Frage muss doch gestellt werden: Spielen Gene und Hormone in Schwarzers Theoriengebäude so gar keine Rolle?
Frau Schwarzer, hier sollten sie uns die Antwort nicht schuldig bleiben.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 27. September 2011 von in Gesellschaft und getaggt mit , , , , , , , .
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