Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Mit Trainern ist es wie mit Torhütern

Außergewöhnliche Torhüter, das haben uns Kahn, Lehmann, Schuhmacher und Maier bewiesen, sind meist besonders fussballverrückte. Auch kein Wunder, denn zwischen den Pfosten ist man letztendlich ganz allein. Da hilft nur ein starkes Ego. Wieso sollte es bei Fussballtrainern also anders sein. Van Gaal ist gleichzeitig genial und verrückt. Das hat immerhin ein Jahr lang nahezu perfekt geklappt, Double und Champions-League Finale. Unter van Gaal bekamen Talente wie Badstuber und Müller ihre Chance. In puncto offensiver Spielkultur hat Bayern vom Fussballlehrer van Gaal einiges dazugelernt. Wer ist nun Schuld an dem Scherbenhaufen? Der Trainer, die Mannschaft, der Vorstand? Alle und keiner. Ein Mourinho hätte bei Bayern auch nicht unbedingt länger überlebt, seine Halbwertszeit wird offensichtlich auch in Madrid rasch kürzer. Auch Magaths Erfolgsgarantie läuft regelmäßig nach zwei Jahren ab. Die Endlichkeit gehört zum Job eines Meistertrainers, insbesondere bei auf Meisterschaft abonnierten Teams wie Bayern München oder Real Madrid. Vermutlich haben diese beiden Teams auch eine Sonderstellung in Europa, denn unter Meistertitel geht gar nichts. Barcelona muss nicht unbedingt Meister werden, man bleibt im Vergleich zu den Königlichen doch der vermeintliche katalanische Underdog. In Italien gibt es mit Milan, Inter und Juve mindestens drei Konkurrenten auf Augenhöhe. In England regnet das Geld auf Chelsea, so dass Ferguson bei Platz zwei aus dem Schneider ist. Der Fc Bayern ist eben der Fc Bayern. Trainerverschleiß vorprogrammiert. Auch Heynckes war in seinen jüngeren Jahren nicht einfach und die jetzige Altersmilde wird ihm spätestens dann zum Verhängnis, wenn seine Superstars mal nicht mehr laufen wollen. Dann lieber ein Sack Flöhe. Auch Hitzfeld, der Rationalste unter den erfolgreichen Trainern bekam das zu spüren. Hat auch nur mit Magengeschwür funktioniert, was andere Trainer sich stattdessen von der Seele brüllen. Auch ein Klopp würde spüren, wer bei Bayern wie bei jedem europäischen Spitzenclub letztlich am längeren Hebel sitzt, die Superstars. Nee, Europaliga geht gar nicht, da könnten die Ballettschühchen ja schmutzig werden. Auch die Dortmunder Newcomer werden bei anhaltendem Erfolg ihre Allüren entwickeln. Hochmut kommt vor dem Fall. Und mit Managern und Präsidenten ist es übrigens ähnlich, außergewöhnliche Erfolge nur mit Fussball lebendem und liebendem Personal. Also kein Gemecker über Hoeneß und Konsorten. Oder wollen wir Abramowitsch, Berlusconi oder Perez? Das ist doch das Schöne am Fussball: Jeder weiß, wo das Tor steht, man trifft es nur nicht immer, ob Spieler, Trainer oder Vorstand.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. April 2011 von in Tribuenenplatz und getaggt mit , , .
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