Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

„seek and destroy“ – ein Plädoyer für europäische Realpolitik

Es ist obsolet, über  Sinn und Legitimation der Nato-Intervention in Libyen zu lamentieren (siehe „Libyen – weder schwarz noch weiss“). Ein „bißchen“ Krieg geht nicht! Nicht verwunderlich, dass einige arivierte Militärexperten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, was Taktik, Konsequenz und Umgang mit Kriegsrealität in Libyen angeht. Sind die Nato-Strategen ernsthaft überrascht, dass Gaddafi sein Kriegsgerät in dicht besiedeltem Gebiet bunkert, mit Zivilisten als „Schutzschild“? Der zynisch anmutende Begriff „Kollateralschäden“ gehört nunmal zum Grundwortschatz eines Militäreinsatzes. Ein sauberer Krieg ist illusionistisches Wunschdenken. Dies auch als Adresse an die Helden aus den Feuilletons. Auch das mag in den Ohren der Freizeit-Guerilleros zynisch klingen: im Krieg dar man nicht zimperlich sein, hier gilt in der Tat, entweder schwarz oder weiss, ganz oder gar nicht. Krieg ist zynisch! Da hilft nur Konsequenz, sonst ist das politische, militärische und humanitäre Desaster komplett. Was nun, also? Denken wir simpel, also militärisch: Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen(raus aus Libyen kann man nicht mehr). Gaddafi ist ein grausamer Diktator (moralische Rechtfertigung). Obama hat momentan andere Sorgen (Europas Chance). Öl ist Öl (Fakt). Ultimatum an Gaddafi: entweder Aufgabe und Exil oder Gaddafi muss spüren, was militärische Konsequenz bedeutet, Kollateralschäden hin oder her. Ohne weitere Opfer wird es auch bei Zögerlichkeit nicht ausgehen. Auch die Libyer, die militärische Hilfe eingefordert haben, sollten sich darüber im klaren sein. Die Geister, die sie riefen. Hier können wir nur auf die militärische Expertise der Nato-Generäle hoffen, wie man einen Diktator eliminiert. Letztenendes geht es aber auch um die Etablierung eines europäischen Weges. Der intellektuelle Ruf nach militärischen Eingriffen, wenn es um Humanität geht muss in letzter Konsequenz zu Ende gedacht sein. Ohne blutige Hände geht es nicht. Die Nato mit den Amerikanern im Boot wird nicht immer willig und vor allem nicht immer einig sein. Libyen und im Prinzip ganz Nordafrika sind historisch und politisch vor allem mit Europa verbunden. Die Zeiten des Kolonialismus und Imperialismus sind vorbei, aber auch politische Partnerschaften müssen mitunter hart erkämpft werden bzw. man muss das Heft auch in die Hand nehmen. Militärische Interventionen sind sicherlich nicht die Antwort, aber wenn man einmal drinsteckt, gibt es kein zurück. Europa muss hier politisch und letztendlich auch militärisch handlungsfähiger und autonomer werden. Man fragt sich, ob Sarkozy, Westerwelle und Co. ein Konzept hatten und haben? „Chirurgische Luftschläge“? Und dann? Wenn schon Intervention, hätte die Ansage lauten müssen, Gaddafi unterbindet unverzüglich alle Gewaltakte gegen Zivilbevölkerung oder er wird eliminiert. Amerikanische Präsidenten hatten mit derartigen Formulierungen niemals Probleme, selbst wenn sie nicht legitimiert waren. Seek and destroy!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. April 2011 von in Politik und getaggt mit , , , .
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