Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Essen – Transparenz oder blinde Kuh?

Unsere Essgewohnheiten sind nicht deshalb so verroht, weil der Verbraucher zu dumm ist oder weil die Lebensmittelerzeuger nur mit minderwertigen Produkten überleben. Es fehlt schlichtweg die uneingeschränkte Transparenz darüber, was wir essen und wie es hergestellt wird, ohne doppelten Boden und Hintertür. Ein Verteidigungsminister tritt notwendigerweise zurück, weil er getäuscht hat, der Werbung erlauben wir, uns täglich vorzugaukeln, ihre beworbenen Produkte seien natürlich oder aus artgerechter Haltung. Aber mit einem Augenzwinkern „es sei ja jedem klar, dass die Werbung nicht die Realität spiegele“ ist es nicht getan, wenn es um Tierquälerei oder gesundheitsschädliche Stoffe geht. Produkte aus der Fleischtheke stammen in der Regel aus der Massentierhaltung, Tod per Elektroschock, Käfighaltung, Antibiotika und evtl. Dioxin inklusive. Nix Ruegenwalder Mühle oder Wurst von Pilawa, Kerner und Co. Kennen Sie den Unterschied zwischen natürlichem Orangenaroma und natürlichem Aroma Orange? Geschweige denn naturidentisch: da muss im Erdbeerjoghurt keine Erdbeere mehr drin sein.
http://de.wikipedia.org/wiki/Aroma#Gesetzliche_Definitionen . Ohne künstliche Geschmacksverstärker klingt auch sehr nett, es gibt ja auch natürliche, industriell hergestellt (Trockenhefe). Trockenfrüchte in Frühstückscerealien geben unter anderem vor, Erdbeeren zu sein, dabei handelt es sich um Cranberries mit Zuckersirup aufgspritzt und mit Öl bepinselt (Quelle: WisoDiskurs Dez. 2007). Andere Beispiele: Actimel Vanilla 0 % Vanille, Dany Sahne Pistazien 0 % Pistazien, Nudelsuppe Thai Chef Huhn 0 % Huhn, dafür E621 u. E635) (Quelle: Bild, jaja). Auch genaue Mengenangaben sind auf unseren Nahrungsmitteln weiterhin Fehlanzeige. Selbst das Ampelsystem wird von der Lebensmittellobby erfolgreich abgewehrt. Milchschnitte mit knapp dreißig Prozent reinem Zucker oder Bärenmarke Schüttelshake mit 19 Würfeln Zucker klingt dann doch nicht mehr so gesund (Quelle foodwatch). Was soll man sich unter Fitness-Flakes vorstellen? Sportliches Getreide? Weder die Flakes selbst, noch der Konsument sind oder werden fitter. Zucker ist hier nicht nur Zusatzstoff, sondern Corn flakes bestehen selbst überwiegend aus Kohlenhydraten mit entsprechenden Kalorien. Fast schon lachhaft, wenn auf der Verpackung dann zumindest Fitnesstipps verzeichnet sind. Die Kalorien vom Frühstück müssen schließlich wieder abtrainiert werden. Produkte, die “ohne Fett” beworben werden, enthalten oft enorme Mengen an Zucker, der dann bei Überschuss im Körper in Fett umgewandelt wird. Da spart die Industrie sozusagen einen Verarbeitungsschritt. Auch sogenannte „light“-Produkte unterscheiden sich in den Kalorien nur minimal vom Original: Aldi Belight Erdnuss Flips 443 kcal, Lorenz Erdnuss Locken 479 kcal. Ehrmann Früchtetraum Erdbeer 0,1 % Fett 103 kcal, Original 118 kcal. Nestlé Fitness Knusperleicht Müsli Schoko 376 kcal, Nestlé Shreddies 371 kcal. Ein letzter Link über unnütze Vitamin- und sonstige Zusätze http://www.yoopress.com/de/gourmetnews/kollektive/foodwatch/2535.Nimm_-_der_vielleicht_laengste_Etikettenschwindel_der_Welt.html.
So kommt nahezu ein Schwarzbuch der Lebensmittelindustrie zustande. Der Verbraucher kann sich wehren, siehe dazu auch auf der foodwatch-Homepage erfolgreiche Kampagnen. Und er kann erfreulicherweise in unserer freien Gesellschaft auch wählen: der Bio-Metzger ist in jeder größeren Stadt zu finden und natürliche Produkte finden sich in jedem Supermarkt, auch dank der Lebensmittelproduzenten. Auch gesunde und artgerechte Lebensmittelerzeugung, selbst in größeren Mengen, ist möglich und nicht so teuer, dass irgendjemand leiden müsste. Mitunter helfen aber nur Gesetze, nicht gegen die Lebensmittelindustrie, sondern für nachhaltige Produktion. Auch die Automobilindustrie, uns Deutschen liebstes Aushängeschild hat von Gesetzen eher profitiert und könnte in puncto Technologievorsprung noch mehr profitieren, wenn schärfere Gesetze gelten würden. Und nicht zuletzt sollte der Anspruch in einer demokratischen Gesellschaft sein, dass Transparenz herrscht und nicht Täuschung!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 13. März 2011 von in Gesellschaft, Politik, Wissen und getaggt mit , , , .
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