Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Guttenberg – Der König ist tot! Es lebe der König?

Im Kreuzfeuer der politischen Lager und in der offensichtlich sehr emotional behafteten Diskussion verwischen leider immer mehr die nüchternen Fakten, die in früheren Rücktrittsfällen selten handfester und alternativloser waren. Ein hochrangiger Politiker, ein Minister, schreibt unbestritten große Teile seiner Dissertation ab! Naheliegend ist sogar – selbst für Guttenberg-Sympathisanten – dass er abschreiben und für seine Doktorarbeit zusammentragen ließ. Denn welcher wissenschaftlich Arbeitende ist so unbedacht und kopiert Quellen, die er selbst gelesen hat, wortwörtlich, geschweige denn setzt keine Fußnoten. Der Vorsatz ist nicht zu leugnen! Die Konsequenz ist der Rücktritt! Dies ist kein Kavaliersdelikt, aber auch kein Kapitalverbrechen! Guttenbergs potenzielles Talent zum Politiker, will heißen zum Entscheidungsträger und Konfliktlöser ist hiervon unberührt und schließt ein Comeback nicht aus. Vielmehr hat Guttenberg jetzt vielleicht endlich die Zeit und Ruhe, zum Politiker zu reifen und nicht zum Medienstar, ein langer, harter und steiniger Weg, zweifelsohne. Oder taugt er dazu gar nicht? Man möchte ihn geradewegs dazu herausfordern. In dem Hype um seine Person hat er sich in politischen Krisen noch relativ achtbar geschlagen, auch wenn viele ihn ausknocken wollten. Sein Redetalent hat er nicht zuletzt auch in seiner Stellungnahme zum Rücktritt bewiesen: Wahrhaftig kann es nicht sein, dass im Zerren um seine Person viel essenziellere Themen wie der Afghanistan-Konflikt und die Bundeswehr-Reform untergehen. Was das Volk nicht braucht sind Brot und Spiele, sondern handwerklich solide politische Arbeit. Hier hat man Guttenberg geblendet und er hat sich auch blenden lassen. Zu verlockend waren die Bilder eines rockenden Ministers mit Tolle und eleganter First Lady in Spe. Exemplarisch der Auftritt mit Kerner in Afghanistan. Die Rolle des netten Onkels, der den Soldaten einen Nachmittag mal zuhört, erfüllt Kerner ausreichend alleine. Nein, ernsthaft, mediale Präsenz für die schwierige Rolle der deutschen Soldaten in Afghanistan ist wünschenswert und notwendig. Es ist aber nicht die Rolle eines Verteidigungsministers, sich hier mit den Medien gemein zu machen. Die Aufgabe von Politikern ist es, politische Sachverhalte zu lösen, natürlich auch, die Menschen mitzunehmen. Hierzu bedarf es aber keiner medialen Inszenierungen, so verlockend diese auch sein mögen und so sehr man sich in Konflikten ohne einfache Antworten nach einem glamourösen Heilsbringer sehnt. Das politische Tagesgeschäft ist meist ziemlich bieder, mitunter zu bieder. So ist es auch nicht gänzlich verwerflich, sich an einer hübschen Ministergattin zu erfreuen oder Charisma gelten zu lassen. Brandt, Kennedy und Co. lassen grüßen.                                                                        Im Kern bleibt es aber so einfach wie banal: Ein Politiker zeichnet sich durch seine handwerkliche Arbeit in seinem Metier aus. Täuscht er bzw. begeht er Fehler, muss er abtreten. Ob er wieder aufsteht, muss Guttenberg selbst entscheiden. Den Beweis, dass er es kann, ist er eigentlich schuldig. Die Tür ist nicht zu, aber Buße tut not.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2. März 2011 von in Politik und getaggt mit , , , , .
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