Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Black Swan – Portman grandios, das Script ambivalent

Das Wichtigste zuerst: ein Lobgesang auf Natalie Portman. Portman hat sich, nicht durch diesen Film, sondern ihre schauspielerische Leistung endgueltig als Grosse ihres Fachs etabliert und ist auf dem Weg, Vergleiche sind nie ganz vermeidbar, in die Fussstapfen einer Audrey Hepburn zu treten. Mehr noch, denn Portman zeigt auch in diesem Film wieder wie vielschichtig ihr Repertoire ist. Sie ist in der Lage, einen Charakter tiefgruendiger zu praesentieren, als ihre grosse Vorgaengerin. Es waere mehr als boshaft, ihr dieses Jahr den Oscar als beste Hauptdarstellerin zu verwehren. Hatte man bisher, und auch in diesem Film den Eindruck, Portman spiele ja „nur“ sich selbst, ein verletzliches Wesen in der Opferrolle, vermutlich von wollluestigen Regisseuren maltraetiert, schon als Kind seit „Leon – der Profi“ in dieser harten Muehle, so steht erfreulicherweise ihr aktuelles Privatleben in deutlichem Widerspruch hierzu. Dies unterstreicht ihr schauspielerisches Vermoegen und laesst hoffen, dass weitere grosse Rollen auf sie warten, vielleicht sogar motiviert durch ihr privates Glueck. Auf eine wunderschoene und hochtalentierte Schauspielerin, man darf es offen aussprechen!
Weniger Lobpreisung gebuehrt dem Film selbst. Waehrend die erste Haelfte sich durch eine profunde Schilderung der Abgruende des Lebens einer Primaballerina auszeichnet – es bestehen hier ansatzweise Parallelen zur „Klavierspielerin“ mit Isabelle Huppert – so wartet man im zweiten Teil vergeblich auf eine Vertiefung der Einblicke in die Charaktere. Stattdessen rutscht der Film ins Horror-Genre ab, zum Teil nahezu „splatterhaft“. Hat den Regisseur da die unbegruendete Angst geritten, als zu intelektuell gebrandmarkt zu werden? Aber vielleicht wollte er dem Film dadurch noch einen Kick geben, der ihn leider den Anspruch kostet. Dennoch ist das Ende im positiven Sinn verstoerend: es bleibt unklar, was Realitaet und Phantasma der Hauptprotagonistin sind. Ein Phaenomen, dass nicht wenige darstellende Kuenstler kennen, das Verschmelzen mit der Rolle. Besonders unter grossem Druck nicht selten gefaehrlich, wenn auch hoffentlich nicht in letzter Konsequenz wie hier.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 6. Februar 2011 von in Kultur und getaggt mit , .
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