Zeitspiegel

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Der neue Woody Allen – Liebesgrüße aus dem Altersheim

Vorab möchte ich Woody Allen huldigen: Er hat uns zahlreiche wunderbare Filme geschenkt. Um nur eine Auswahl zu erwähnen: Der Stadtneurotiker, Manhattan, oder auch Slapstick-Genialitäten wie Mach´s noch einmal Sam. Seit den Neunzigern hat Allen zunehmend seinen Legendenstatus genutzt, um bereits etablierte Größen und Hollywood-Schönheiten in seine Filme zu basteln. Das hat vermutlich Allens Eitelkeit geschmeichelt, nicht immer war es eine gelungene Besetzung. Aber wer kann es ihm verdenken, das Schöne zu lieben. Trotz kleinerer Abschweifungen hat sich bei Allen immer alles um das Eine gedreht: die Liebe und ob das bzw. der oder die wirklich schon alles war. Nie waren die Protagonisten und insbesondere die Protagonistinnen so ganz glücklich mit ihrer Situation. Ein Schelm, wer Autobiografisches hier unterstellt. In allen Variationen die ewige Suche nach dem vollendeten Glück, meist erfrischend komisch und unterhaltsam. Doch dies soll kein Nachruf werden, deswegen will ich mit Allens neuem Film auch hart ins Gericht gehen, in der Hoffnung, es kommen neue, wieder gehaltvollere Werke. Das Thema also wieder das Selbe: „Warum hab‘ ich bloss, ach hätt´ ich doch“. Ein alternder Anthony Hopkins in Allens gefühlter zehnter Mid?- Post?-Life-Crisis. Mehr als banal sucht der zu bedauernde Hopkins sein Glück nach 40 Ehejahren bei einer schalen Prostituierten (grauenhaft synchronisiert). Zwar ist seine Frau wirklich zum Weglaufen, aber ein bisschen mehr Geschmack hätten wir Anthony schon gewünscht. Ähnlich banal werden dabei Alterserscheinungen wie nachlassende Potenz (Viagra halt) oder das Erkaufen von Liebe durchgenudelt. Man kann nur hoffen, dass hier nur zarte autobiografische Parallelen bestehen. Das frustrierte Mitvierziger-Paar ist auch nur sehr oberflächlich getroffen. Ein wahrer Schuss in den Ofen ist hierbei die Besetzung von Josh Brolin als Schriftsteller, die Allen noch dadurch toppt, indem sich ausgerechnet eine zarte junge Inderin in diesen Metzgermeister verliebt. Einziger Lichtblick in dieser plumpen Geschichte ist Antonio Banderas, der sich als smarten braunäugigen Kunsthändler praktisch selbst spielen darf und –ach der Arme- mit einer seiner Künstlerinnen in die Kiste hüpfen muss, weil seine Frau manisch-depressiv ist. Hierbei übergeht er auch noch seine ihm ebenfalls sehr zugeneigte Assistentin, die Frau des schriftstellenden Metzgermeisters. Aus welchen sadistischen Gründen Allen Naomi Watts in diese Rolle gezwängt hat, bleibt ungeklärt. Naomi hätte wirklich einen besseren und hübscheren Auftritt verdient gehabt. Weiterer Lichtblick, und hier schmeichelt Allen wie so oft in den letzten Jahren mit einer seiner Musen unserem Auge: Die aus Slumdog Millionaire bekannte Freida Pinto. Leider auch in eine Rolle gebastelt, die so gar nicht zu ihr passt. Fazit also: „Warum hat er bloss, ach hätt‘ er doch einen besseren Film gedreht!“ Aber wir hoffen eben, dass Allen, wenn auch offensichtlich mit Alterserscheinungen behaftet, wieder zu alter Form zurückfindet, z.b. à la Vicky Christina Barcelona.

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2 Kommentare zu “Der neue Woody Allen – Liebesgrüße aus dem Altersheim

  1. vincon, inge
    26. Dezember 2010

    Ja, das Alter ist manchmal sehr schwächend. Genial war immerhin WoodyAllans Todesangst in dem Film wo er mit einer jungen angehenden Journalistin einen Serienverbrecher sucht. Der Film beginnt mit der Reise in den Hades. So gegruselt habe ich mich nur selten auf komische Art… Also hoffen wir wiedr auf einen besseren Film. inge

  2. vincon, inge
    26. Dezember 2010

    Ja,. die Altersangst und die Todesangst schwächt zuzeiten!Genial von Woody immerhin der vorletzte Film, wo er mit einer blonden, jungen angehenden Journalistin einen Serienverbrecher sucht. Der Film beginnt mit Woodys Zaubereien und dann mit einer Reise in den Hades. So gegruselt habe ich mich noch nie auf komische Art. Inge

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 25. Dezember 2010 von in Kultur.
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