Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Utopien der Moderne – Part I: Die Illusion der Vollbeschäftigung

Gerade in Zeiten wie diesen in Deutschland, in denen die deutsche Exportwirtschaft wieder Rekorde erzielt und die Zahl der Arbeitslosen (wenn auch „geschönte“ Statistik) unter die magische Drei-Millionen-Grenze fällt, träumen wieder einige Politiker von blühenden Landschaften und der Vollbeschäftigung. Im Zeitalter der Globalisierung nutzen manche den witrschaftlichen Aufschwung auch gern, um Druck auf Hartz-IV-Empfänger auszuüben, am dreiklassigen Schulsystem festzuhalten und Lobeshymnen auf die freie Marktwirtschaft anzustimmen. Doch vielleicht ist jetzt gerade auch die Gelegenheit, sich ohne große ideologische Grabenkämpfe mit Argumenten zu befassen, die unser zweifellos reformbedürftiges System voranbringen. So muß als Faktum festgehalten werden, dass in den letzten Jahrzehnten kein Aufschwung die Zahl der Arbeitslosen entscheidend reduzieren konnte und das aus einem ganz einfachen plausiblem Grund: der Rationalisierung! Wer könnte es einem wirtschaftlichen Unternehmen, egal ob Konzern oder Mittelstand verdenken, teure Arbeitskräfte durch billigere Maschinen und personalintensive Prozesse durch computergestützte Verarbeitung zu ersetzen. In Zeiten der Globalisierung ist diese Entwicklung tatsächlich unumkehrbar. Und die Utopie einer ständig wachsenden Dienstleistungsbranche, das leuchtet auch jedem ein, stößt aus ähnlichen Gründen an ihre Grenzen. So lehrt uns der Blick auf die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen im Zyklus von Auf- und Abschwung trotz vorübergehender Entspannung am Arbeitsmarkt, dass der Traum von der Vollbeschäftigung, will sagen Arbeitslosenzahlen, die sich unter einer Million bewegen (eher stabil bei drei Millionen oder darüber) endgültig der Vergangenheit angehören. Denn auch das gilt im Zeitalter der Globalisierung: billige Arbeitskräfte gibt es weltweit mehr als genug. Diese Fakten hat unter anderen der dm-Gründer Götz W. Werner in seinem Buch „Einkommen für alle“ bereits zusammengefasst, leider bisher ohne durschlagendes Echo, dabei kann man Werner als einem führenden und erfolgreichen Manager sicher nicht unterstellen, dass er unser Wirtschaftssystem mit sozialistischem oder marxistischem Ideengut untergraben will. Hier sei nur der Vorschlag eines „bedingunslosen Grundeinkommens“ erwähnt. Essenziell ist aber die Frage, was macht man mit einer konstanten Zahl mehrerer Millionen Arbeitsloser, für die es definitiv einfach nicht genug ( direkt bezahlte!) Arbeitsplätze gibt? Dieser Frage sollten sich unsere Politiker ehrlicherweise stellen und es unterlassen, dieser nicht zu stemmenden Zahl an Nicht-Vermittelbaren vorzumachen, sie seien auf unseren freien Märkten noch vermittelbar. Die Konsequenz kann also nicht sein, diesen Leuten das Existenzminimum stetig weiter zu kürzen, sondern Alternativen zu entwickeln, diese Menschen wieder in den Kreis der Gesellschaft zurückzuführen. Eine Illusion natürlich, dass dies mit allen gelingt und auch alle dies möchten. Aber hier wäre eine Zahl unter einer Millionen doch im Bereich des Möglichen. Hier nochmals der Verweis auf Götz. W. Werners Buch „Einkommen für alle“, Verlag Kiepenheuer & Witsch. Part II folgt demnächst „Die Illusion eines sinnvollen dreigleisigen Schulsystems“

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 1. November 2010 von in Gesellschaft, Politik.
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