Zeitspiegel

Humanismus. Pluralismus. Zeitverständnis.

Post-Sarrazin – Was für eine Gesellschaft wollen wir?

Wenn man die Sarrazin-Debatte, die ja noch voll im Gange ist, noch einmal reflektiert, so wird einem klar, dass es weniger um die Frage Integration von Ausländern, sondern eher um Selektion geht. Werfen wir hierzu kurz einen Blick zurück: Im Hoch des Wirtschaftswunders haben wir uns dringend benötigte, billige, wenig qualifizierte Arbeitskräfte ins Land geholt. Spätestens aus heutiger Sicht ist es nicht nur völlig absurd und unrealistisch diese Menschen wieder in ihre Heimatländer zurückzuschicken, es ist vor allem eine fragwürdige Vorstellung einer Gesellschaft. Das ist der Hauptkritikpunkt an Herrn Sarrazin und seinen Jüngern oder vielmehr eben die Frage: Was ist eigentlich aus unserem Modell der sozialen Marktwirtschaft und der damit verbundenen solidarischen Gesellschaft geworden. Es ist schlichtweg ein Unding, sich erst Menschen ins Land zu holen, die einen nicht unwesentlichen Anteil an unserem Wirtschaftswunder hatten und die Folgegeneration dann mit dem Argument zu verunglimpfen, sie seien nicht intelligent genug. Stillschweigend geht Sarrazin wohl davon aus, dass dumme Deutsche ein Erbrecht auf Aufenthalt in Deutschland haben, weil sie die deutsche Leitkultur: Bier trinken und Weisswürste essen verinnerlicht haben. Wenn wir Sarrazin keine Deutschtümelei unterstellen, wären es im Sinne des noch immer vitalen globalen Kapitalismus eher konsequent, gleich alle Dummen aus Deutschland auszuweisen, egal ob deutsch oder nicht und zum Beispiel durch integrationswillige Chinesen zu ersetzen. Die sind ja offensichtlich noch hungrig und lernen Goethe´s Gedichte sicher Dank des deutschen Schulsystems im Nu. Nein, kehren wir lieber zum Ernst der Dinge zurück: Die Kernfrage ist: Was für eine Gesellschaft wollen wir? Eine nach Sarrazin´s Modell, die Menschen selektiert oder vielleicht doch lieber eine, die die Menschen mitnimmt. Ohne Zweifel auch viel von den Menschen einfordern sollte. Dazu ein anderes Mal: Was kann man fordern.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. Oktober 2010 von in Gesellschaft, Politik.
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